Hagel, Sturm, Blitzschlag -- eine Solaranlage ist den Elementen ausgesetzt. In der Schweiz ist die Versicherung glücklicherweise gut geregelt, doch es gibt Unterschiede zwischen den Kantonen, die Sie kennen sollten. Dieser Beitrag erklärt, wie Sie Ihre PV-Anlage richtig absichern.
Kantonale Gebäudeversicherung: Die Grundabsicherung
In 19 von 26 Kantonen ist die Gebäudeversicherung obligatorisch und wird durch eine kantonale Anstalt (Gebäudeversicherungsanstalt, GVA) betrieben. Diese deckt automatisch Feuer- und Elementarschäden ab -- dazu gehören Hagel, Sturm, Überschwemmung, Erdrutsch und Schneedruck. Sobald Ihre Solaranlage fest mit dem Gebäude verbunden ist (Aufdach- oder Indach-Montage), gilt sie als Gebäudebestandteil und ist mitversichert. Sie müssen die Anlage allerdings als Wertvermehrung melden, damit die Versicherungssumme angepasst wird.
Die sieben Kantone ohne kantonale Gebäudeversicherung sind Genf, Wallis, Tessin, Uri, Schwyz, Obwalden und Appenzell Innerrhoden. Dort müssen Sie eine private Gebäudeversicherung abschliessen, die Ihre Solaranlage einschliesst.
Welche Schäden sind durch die GVA gedeckt?
Die kantonale Gebäudeversicherung deckt typischerweise:
- Hagelschäden: In der Schweiz die häufigste Schadenursache bei Solaranlagen. Moderne Module sind auf Hagelkörner bis 25 mm Durchmesser (Testnorm IEC 61215) getestet. Bei extremem Hagel -- wie im Juli 2021 in der Region Luzern -- können dennoch Mikrorisse und Glasbrüche entstehen.
- Sturmschäden: Bei Windgeschwindigkeiten ab 75 km/h können schlecht montierte Module oder Aufständerungen Schaden nehmen. Eine normgerechte Montage gemäss SIA 261 ist daher Voraussetzung für den Versicherungsschutz.
- Blitzschlag: Direkter Blitzeinschlag oder Überspannung durch Blitz in der Nähe kann Wechselrichter und Module beschädigen. Ein Überspannungsschutz (Kosten CHF 200 bis CHF 500) ist daher eine sinnvolle Investition.
- Feuer: Brand durch elektrischen Defekt oder externe Ursachen ist selten, aber abgedeckt.
Zusätzliche Versicherungen: Allgefahren und Ertragsausfall
Die Gebäudeversicherung deckt nicht alles. Für einen umfassenden Schutz empfiehlt sich eine Allgefahrenversicherung (auch Solaranlagen-Versicherung genannt). Sie schliesst zusätzlich ein:
- Kurzschluss und elektrische Schäden
- Diebstahl und Vandalismus
- Konstruktions- und Montagefehler (nach Ablauf der Installateursgarantie)
- Tierverbiss an Kabeln (Marder!)
- Ertragsausfall: Ersatz des entgangenen Stromertrags während der Reparaturzeit
Die Jahresprämie für eine Allgefahrenversicherung beträgt CHF 80 bis CHF 200 für eine 10-kWp-Anlage. Anbieter wie Helvetia, AXA, Mobiliar oder Zurich bieten solche Policen an. Einige Solarinstallateure vermitteln die Versicherung direkt beim Kaufabschluss.
Meldepflicht: Was Sie nach der Installation tun müssen
Melden Sie Ihre Solaranlage innerhalb von 30 Tagen nach Inbetriebnahme bei Ihrer Gebäudeversicherung an. Geben Sie den Neuwert der Anlage inklusive Montage an. Die GVA passt daraufhin die Versicherungssumme an, und die Prämie erhöht sich geringfügig. Unterlassen Sie die Meldung, riskieren Sie im Schadenfall eine Unterversicherung -- die GVA kürzt die Entschädigung dann proportional.
Schadenfall: So gehen Sie vor
Bei einem Schaden an Ihrer Solaranlage sollten Sie folgende Schritte einhalten:
- Dokumentieren Sie den Schaden mit Fotos und Datum.
- Melden Sie den Schaden unverzüglich der Gebäudeversicherung (innerhalb von 5 Werktagen).
- Beauftragen Sie Ihren Installateur mit einer Schadendiagnose. Viele Wechselrichter protokollieren Störungen automatisch -- diese Daten sind hilfreich für die Schadensmeldung.
- Beauftragen Sie die Reparatur erst nach Freigabe durch die Versicherung, es sei denn, eine sofortige Massnahme ist nötig, um Folgeschäden zu verhindern.
Die Bearbeitungszeit bei kantonalen Gebäudeversicherungen beträgt in der Regel ein bis vier Wochen. Bei einer Allgefahrenversicherung übernimmt der private Versicherer die Koordination.
Praxistipp: Versicherungskosten in die Wirtschaftlichkeitsrechnung einbeziehen
Rechnen Sie die jährlichen Versicherungsprämien (CHF 100 bis CHF 200) in Ihre Kostenanalyse ein. Zusammen mit dem Wechselrichterersatz und gelegentlicher Wartung belaufen sich die jährlichen Betriebskosten auf CHF 300 bis CHF 500. Selbst mit diesen Kosten bleibt die Solaranlage eine der rentabelsten Investitionen für Schweizer Eigenheimbesitzer.
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