Bevor ein einziges Solarmodul auf Ihr Dach kommt, steht die Dachanalyse an. Sie entscheidet darüber, wie viel Strom Ihre Anlage produzieren wird und ob die Installation sinnvoll ist. Wir erklären, worauf es bei der Bewertung Ihres Dachs ankommt.
sonnendach.ch: Ihr erster Schnellcheck
Das Bundesamt für Energie betreibt mit sonnendach.ch ein kostenloses Online-Tool, das die Solareignung jedes Gebäudes in der Schweiz bewertet. Die Plattform nutzt Daten aus dem Schweizerischen Gebäude- und Wohnungsregister, kombiniert mit einem 3D-Geländemodell und Strahlungsdaten von MeteoSchweiz. Die Bewertung erfolgt auf einer Skala von «gering» bis «hervorragend». Schon dieser erste Check verrät Ihnen, ob sich eine vertiefte Analyse lohnt.
Ausrichtung und Neigung: Die Grundlagen des Solarertrags
Die Ausrichtung des Dachs bestimmt massgeblich den Jahresertrag. Ein reines Süddach mit 30 Grad Neigung erzielt im Schweizer Mittelland den maximalen Ertrag von rund 1'100 kWh pro kWp. Hier die Abweichungen bei anderen Ausrichtungen:
- Südost/Südwest: 95 % des maximalen Ertrags
- Ost oder West: 82 bis 88 % -- dafür gleichmässigere Produktion über den Tag
- Nordost/Nordwest: 60 bis 70 % -- wirtschaftlich grenzwertig
- Nord: unter 55 % -- in der Regel nicht empfehlenswert
Die optimale Anlagengrösse hängt direkt mit diesen Werten zusammen: Bei einer Westausrichtung brauchen Sie mehr Module, um denselben Jahresertrag zu erzielen wie auf einem Süddach.
Verschattungsanalyse: Der unterschätzte Ertragskiller
Bereits eine partielle Verschattung durch Bäume, Kamine, Dachfenster oder Nachbargebäude kann den Ertrag massiv reduzieren. Bei herkömmlichen String-Wechselrichtern wirkt ein verschattetes Modul wie ein Flaschenhals und drosselt die gesamte Modulreihe. Professionelle Installateure setzen Planungstools mit 3D-Sonnenstandsimulation ein, die den Schattenwurf für jede Stunde des Jahres berechnen.
In der Schweiz variiert der Sonnenstand erheblich: Im Dezember steht die Sonne mittags nur rund 18 Grad über dem Horizont, im Juni dagegen 65 Grad. Ein Kamin, der im Sommer keinen Schatten wirft, kann im Winter drei bis vier Module komplett abdecken. Lösungen: Leistungsoptimierer (z. B. SolarEdge) oder Mikrowechselrichter (z. B. Enphase IQ8) erlauben den unabhängigen Betrieb jedes Moduls und reduzieren Ertragsverluste durch Teilverschattung um bis zu 25 %.
Dachstatik: Trägt Ihr Dach die Zusatzlast?
Solarmodule wiegen mit Unterkonstruktion rund 12 bis 15 kg pro Quadratmeter. Für die meisten nach 1970 gebauten Einfamilienhäuser in der Schweiz ist das kein Problem. Ältere Gebäude oder Dächer mit leichter Holzkonstruktion sollten von einem Statiker begutachtet werden (Kosten CHF 500 bis CHF 1'500). In alpinen Regionen oberhalb von 1'000 m ü. M. kommen gemäss SIA-Norm 261 erhöhte Schneelasten hinzu, die eine stärkere Unterkonstruktion erfordern und die Installationskosten um 5 bis 10 % erhöhen.
Dachzustand: Wann sich die Kombination mit einer Sanierung lohnt
Steht in den nächsten zehn Jahren eine Dachsanierung an, empfiehlt sich die gleichzeitige Installation. Sie sparen das zweite Gerüst, und Indach-Systeme können herkömmliche Ziegel ersetzen. Diese Lösung ist 20 bis 30 % teurer als eine Aufdach-Montage, bietet aber ästhetische Vorteile -- besonders bei denkmalgeschützten Gebäuden. Flachdächer eignen sich hervorragend, da Module in optimalem Winkel aufgeständert werden. Allerdings reduzieren Reihenabstände die nutzbare Fläche um rund 30 %.
Ihre Checkliste für die Dachanalyse
Bevor Sie Offerten einholen, können Sie selbst eine erste Einschätzung vornehmen:
- Prüfen Sie die Ausrichtung mit einem Kompass oder der App «Sonnenverlauf».
- Beobachten Sie Verschattungen zu verschiedenen Tageszeiten.
- Schätzen Sie die nutzbare Dachfläche (Gesamtfläche minus Fenster, Kamine, Entlüftungen).
- Klären Sie Alter und Zustand der Dacheindeckung.
- Nutzen Sie sonnendach.ch für die offizielle Eignungsbewertung.
Mit diesen Informationen können Sie gezielt Offerten anfordern und die Empfehlungen der Installateure besser einordnen.
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